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“Es war schon lange dunkel. [...] Ein bleicher Mond spazierte über den Hof, Schweigen legte sich auf die umstehenden Häuser. Ich bat Salim, nur noch die letzte Kasette auszuprobieren. Salim lehnte mit dem Kopf an der Wand, er hatte die Augen geschlossen; auch ich war im Sitzen fast eingeschlafen. Doch diesmal erreichten die Lieder Netanel, denn plötzlich fuhr er hoch und rannte zu seinem Mandarinenbaum, umarmte dessen Stamm und weinte. Wie ein kleines Kind weinte er, nicht wie ein Jugendlicher. Die Klänge ergossen sich in den Hof wie geschmolzene Butter mit Honig. Ein großes Orchester spielte dort, mit Geigen und Cello und allem Drum und Dran. Salim lehnte sich so weit zurück, dass er den Kopf auf die Stuhllehne legen konnte, und konzentrierte sich auf den Himmel. Wie segenspendender Regen tropften die Klänge auf die Erde. [...] Diese Kassette hörten wir dann immer wieder. Salim konnte die Texte schon fast auswendig, aber ihre Bedeutung verstand er nicht. [...] In dem einen Lied kam immer wieder das Wort "pie" vor; das musste eine Art Kuchen sein, etwas Gebackenes. Ich kannte es nicht.” — Daniella Carmi