Quotessence
Home / Quotes / Quote by Sarah Levy

Quote by Sarah Levy

“Ich spüre nicht mehr diese Leichtigkeit, diese Zuversicht, diese Sicherheit, die ich vor vier Jahren fühlte, als ich ankam, um mein Leben hier zu beginnen. Das Israel von damals kommt mir vor wie einem Traum entsprungen. Zu schön, um wahr zu sein. Zu sonnig, zu liebevoll, zu willkommen heißend. Zu friedlich. Das Israel, das ich in den vergangenen Monaten erlebt habe, ist ein Land der Extreme. Wütend. Unversöhnlich. Ein Land kurz vor dem Bürgerkrieg. Milchemet Achim lautet der Ausdruck im Hebräischen, übersetzt heißt das «Brüderkrieg». Ich habe ihn zu oft gehört in den vergangenen Monaten. Tatsächlich ist es ein Konflikt zwischen Nachbarn, Familienmitgliedern, Freunden, zwischen Menschen, die plötzlich zu merken scheinen, dass sie entgegengesetzte Vorstellungen davon haben, wie ihre gemeinsame Heimat aussehen soll. Und die keine Toleranz für jene haben, die das anders sehen. Radikale Politiker – und es gibt auf einmal so, so viele von ihnen – schlagen mit spaltenden Worten auf das Fundament ein, auf den Gesellschaftsvertrag dieses Landes. Sie gedeihen am Hass, am Misstrauen, an der Unvereinbarkeit. Mit vergiftenden Ideen und manipulativen Worten greifen sie das Mosaik der Gesellschaft an, das sowieso schon brüchig geworden ist. Die aufgeheizte Stimmung in diesem Jahr hat mich misstrauisch gemacht, oft Schlimmes befürchtend. Das geht über die normale Muttersorge hinaus. Ich kann das Gefühl nicht mehr abschütteln, dass Israel sich auf einen Abgrund zubewegt, und ich frage mich nicht mehr ob, sondern: Wann gehe ich, bevor ich mitgerissen werde? Doch ich treffe Entscheidungen nicht mehr für mich allein.”

Quote by Sarah Levy

Work

Kein anderes Land: Aufzeichnungen aus Israel

Browse quotes and source details for this work. more

Author

Sarah Levy

Browse famous quotes and profile details for Sarah Levy. more

You May Also Like

“Der 7. Oktober hat so viel mehr erschüttert als unser Gefühl von Sicherheit. Wer wir waren, was wir glaubten, wer wir hofften zu sein – das alles spielt seither keine Rolle mehr. Diese neue, sich radikalisierende Welt zwingt uns, unsere Umgebung und uns selbst mit neuen Augen zu sehen: Wer sind wir? Als Volk, als Menschen. Welche Israelis wollen wir sein? Wir müssen uns neu auf die Suche begeben nach dem, was geblieben ist nach dem 7. Oktober von unserem alten Selbst. In der Hoffnung, dass überhaupt etwas geblieben ist.”

“«Aber haben wir denn kein Recht darauf, uns sicher zu fühlen?!» Jetzt springt meine Schwiegermutter auf, läuft in die Küche. Sie bleibt an der Spüle stehen, mit dem Rücken zu mir. Dann dreht sie sich um: «1956, 67, 73, 82», sagt sie mit bebender Stimme, «danach erinnere ich mich nicht mal mehr, wie viele Kriege und Auseinandersetzungen es waren. Immer war irgendwas. 1990, 91, im Golfkrieg, da spannten wir Kaugummi auf die Luftritzen am Fensterrahmen, in die Schlüssellöcher, oder Klebstoff. Aus Angst vor einem Gasangriff. Ich saß mit drei kleinen Kindern allein zu Hause, mit Gasmaske, mein Mann in der Reserve … » Sie verstummt. Dann sagt sie mit gepresster Stimme: «Inzwischen weiß ich: Entweder sie oder wir. Wir müssen uns von ihnen trennen, vollkommen, eine undurchdringliche Mauer zwischen uns bauen. Anders geht es nicht.»”

“The media and the internet exist not to transmit knowledge as it is, but to amplify, exaggerate, and embellish the exact reality. Whatever is displayed upon the screens is rendered greater and more dramatic than its true form to attract mass interest. And if a person’s only “source of knowledge” is their screen, then that person may become stranded in a rigid world of black and white, blinded to the spectrum of grays that lie between.”