“Die Sprache ist ja nicht nur, was sie ist (sie ist ganz bestimmt nicht, was Duden aus ihr machen möchte, und noch weniger ist sie, wozu unsere hundsföttischen Reformer, von denen Sie wohl bald noch erfahren werden, sie im Augenblick gerade wieder erniedrigen möchten), sondern sie ist auch, was der Einzelne aus ihr macht. So ein Einzelner sind Sie. [...] Geändert habe ich entschlossen »möglich viel« in »möglichst viel«. Sie haben ganz recht, daß man »möglich«, logisch gesehen, nicht steigern kann. Aber die Sprache ist liebenswürdiger als die Logik. Ich habe keine Erklärung dafür, warum ausgerechnet dieses adverbiell gebrauchte Möglich gesteigert wird, denn alle anderen vergleichbaren Beispiele, die mir einfallen, werden nicht gesteigert (bedeutend, entscheidend, rechtschaffen usw.). Könnte es nicht sein, daß die Steigerung über die Negation, also über »unmöglich« in die Sprache eingedrungen ist? Denn offensichtlich fällt es leicht zu sagen: das und das ist mir unmöglich, noch unmöglicher erscheint mir das und das, aber das Unmöglichste ist mir das und das. Also, was am Ende durch Goethe und andere, die nur wenig schlechter waren, Sprache geworden ist, das darf man schon akzeptieren.” LanguageTraditionLogic Book:»Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen.«: Briefe 1994 bis 2000: Briefe 1944 bis 2000 Source: »Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen.«: Briefe 1994 bis 2000: Briefe 1944 bis 2000