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Mängelexemplar

Book by Sarah Kuttner · 6 quotes · Therapie, Panikattacken, Therapy

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Mängelexemplar Quotes

“Aber auch Glück ist anstrengend. Ich finde nichts frustrierender, als neben einer auserwählten Person zu liegen und das Bedürfnis zu haben, ihr so nah wie möglich zu sein. Man kann sich umarmen und verknoten, bis man schwarz wird, man hat immer das Gefühl, noch näher sein zu wollen. Das sogenannte "In-den-Partner-reinkriechen-Wollen". Man wird nie nahe genug sein. Oder Sehnsucht. Wie oft das Einander-Vermissen schon romantisiert, Chris-de-Burgh-isiert wurde. Sehnsucht ist fürchterlich. Wenn man vermisst, kann man sich nicht mal im Kino ablenken, weil im Film am Ende doch immer alle einander haben.”

“Frau Hermann! Fällt Ihnen denn gar nichts auf? Sie sind sehr intelligent. Sie scheinen auch über einen sehr hohen emotionalen Intelligenzquotienten zu verfügen, und Sie sind über die Maßen empathisch, haben ein ausgezeichnetes Gespür für die Stimmung anderer. Nur bei sich selbst versagen diese Fähigkeiten total. Was Ihre eigenen Gefühle angeht, laufen Sie mit einem dicken Brett vor dem Kopf herum. Das ist merkwürdig. Es stimmt ganz offensichtlich: Sie können alles andere, aber nicht sich selbst spüren!”

“Ja, jetzt! Das ist auch einfach. Aber andere Situationen sind nicht so leicht zu entschlüsseln. Das ist ja mein Problem! Ich bekomme Angstanfälle in Momenten, in denen ich überhaupt nicht traurig bin. In denen scheinbar alles in Ordnung ist. Und dann denke und denke und denke ich. Versuche, in meinem Kopf zusammenzufügen, was nicht zusammengehört. Mein Kopf ist wie ein minderwertig produziertes Puzzlespiel, die eizelnen Stücke sind schlecht ausgestanzt und passen einfach nicht zusammen! Es macht mich wahnsinnig immer auf der Suche nach einer Ursache zu sein. Die ganzen Möglichkeiten rennen in meinem Kopf durcheinander wie eine aufmüpfige Kindergartengruppe. Alles schreit und will nicht in einer Reihe stehen!”

“Wissen Sie, diese Ünfähigkeit zu spüren wird von der Seele als eine Art Schutzschild beispielsweise nach einer Traumatisierung aufgebaut. Das ist ganz natürlich und auch sehr nützlich. Es bewahrt Sie davor, Unerträgliches zu fühlen. Irgendetwas hat Sie veranlasst, sich zu schützen. Sie spüren sich selbst erst dann, wenn es schon fast zu spät ist, wenn Ihre Gefühle sich in einer Panikattacke entladen. Und wir müssen rausfinden, welche Verletzung bei Ihnen diese Reaktion ausgelöst haben könnte.”