“ich spüre wieder erschrocken, eine wie schwache, armselige und quallige Substanz das doch sein muß, was wir immer großspurig Seele, Geist, Gefühl, was wir Schmerzen nen- nen, da all dies selbst im äußersten Übermaß nicht vermag, den leidenden Leib, den zer- quälten Körper völlig zu zersprengen — weil man ja doch solche Stunden mit weiterpo- chendem Blut überdauert, statt hinzusterben und hinzustürzen wie ein Baum unterm Blitz. Nur für einen Ruck, für einen Augenblick hatte dieser Schmerz mir die Gelenke durchgerissen, daß ich hinfiel auf jene Bank, atemlos, stumpf und mit einem geradezu wollüstigen Vorgefühl des Absterbenmüssens. Aber ich sagte es eben, aller Schmerz ist feige, er zuckt zurück vor der übermächtigen Forderung nach Leben, die stärker in unserem Fleisch verhaftet scheint als alle Todesleidenschaft in unserem Geiste. Unerklärlich mir selbst nach solcher Zer- schmetterung der Gefühle: aber doch, ich stand wieder auf, nicht wissend freilich, was zu tun.”
Quote by Stefan Zweig
Work
Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Gesammelte Werke in Einzelbänden)
Browse quotes and source details for this work. more
Author
You May Also Like
Source: I.M.: Ischa Meijer. In Margine. In Memoriam
“Ich hätte die Ewigkeit mit beiden Händen umfangen können, so glücklich war ich in seiner Nähe.”
“Seit ich dich kenne, höre ich Puccini in meinem Innern.”
Source: Im Ereignishorizont: Gedichte
“Ich habe mich verloren, als ich dich verloren habe.”
Source: Fühlst du?: Kleine Texte übers Loslassen und sich selbst auffangen
Source: Serpent in Paradise
Source: Vom Ende der Einsamkeit
Source: Der Vorleser. Erläuterungen und Dokumente
