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Lerio Quotes

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Lerio Quotes

“Lerios Atem stockte, als er das gewaltige Biest entdeckte. Es war schwarz wie die Nacht. Vermutlich reichte ihm das Tier bis zum Kinn und war dreimal so lang wie er. Die scharfen Krallen glänzten im Licht der Morgensonne und die Ohren waren angelegt, um die empfindlichen Gehörgänge gegen das laute Geschrei zu schützen. Im leicht geöffneten Maul konnte er spitze Reißzähne entdecken, die Augen darüber leuchteten wie vor Magie und der lange Schwanz peitschte aufgeregt hin und her. Auch wenn er noch nie einen gesehen hatte, wusste Lerio sofort, dass er einen wunderschönen schwarzen Panther vor sich hatte. »Majestätisch!«, hauchte er bewundernd.”

“Doch dieses Mal war Lerio nicht schnell genug. Er hatte losgelassen und zwei Schritte gemacht, als der Panther schon herumgewirbelt war und sich auf ihn gestürzt hatte. Die Luft wurde ihm aus den Lungen gepresst, als die viel größere Raubkatze ihn halb unter sich begrub und ihm die Zähne in den Nacken presste. Warmer Atem strich über seinen Hals und Lerio erstarrte.”

“»Halt! Nicht schießen!«, rief plötzlich einer der Gehilfen des Jagdmeisters laut. »Das ist ein Gestaltwandler!« Die übrigen Mitglieder der Jagdgesellschaft fingen an zu murmeln. Er sah, wie sie abwechselnd ihn, Kudonio und Akurio anstarrten. Doch der Jagdmeister ließ sich von ihrer Verunsicherung nicht erschüttern, sondern kam langsam auf ihn zu. Der Herzogssohn jedoch wirkte genauso verdutzt wie der Rest der Jagdgesellschaft. »Ein Gestaltwandler? Ist das wahr? Wer bist du? Sprich!«, forderte Akurio. Der Blick Kudonios wanderte über das Muster seines Fells, erfasste jedes Detail und mit einem mulmigen Gefühl im Magen ahnte er, was jetzt kommen würde. »Das ist Lerio. Der Hässliche«, verkündete der Jagdmeister laut und das Gewisper der anderen verstummte für einen kurzen Moment, bevor es zu aufgeregtem Geraune wurde. Dann begannen die Ersten zu lachen.”

“Er spürte, dass der Panther ihn verwirrt anstarrte. »Das stimmt nicht! Wir sind Freunde!« Die Worte waren ihm so vertraut, dass Lerio nicht anders konnte, als ein verbittertes Lachen auszustoßen. »Weißt du, wie häufig ich das als Kind gehört habe, wenn meine Familie versucht hat, sich in einem neuen Dorf anzusiedeln? Meine Geschwister waren noch nicht geboren, es war ein einsames Leben, immer so unterwegs und ohne andere Kinder zum Spielen. Doch jedes Mal, wenn ich unser Familiengeheimnis verraten habe, hat sich das Verhalten der Menschen um uns herum verändert. Zunächst fanden die Mädchen und Jungen es noch aufregend, dass ich ein Gestaltwandler bin, und haben mich gedrängt, es ihnen vorzuführen. Doch sobald sie ihren Eltern oder älteren Geschwistern erzählt haben, dass sie einen sprechenden Luchsjungen getroffen haben, fingen die Probleme an. Die Leute haben uns als Tiermenschen beschimpft, vor uns ausgespuckt, wenn wir auf der Straße an ihnen vorbeigingen, unsere Hütte mit Steinen beworfen, uns bestohlen und alles getan, um uns das Leben schwer zu machen. Ich durfte nicht mehr mit den Kindern spielen, die noch am Vortag behauptet hatten, meine Freunde zu sein. Mehr als einer von ihnen hat mich anschließend ebenfalls bespuckt und verhöhnt. Nein, es ist besser, wenn die Menschen unser Geheimnis nicht erfahren.«”

“Jeder wusste, dass sich in der Königsfamilie und in den Blutlinien der Herzöge und Herzoginnen eine Magie vererbte, die man Herrschaftsmagie nannte. Doch was das für eine Magie war und was das bedeutete, das wusste die einfache Bevölkerung nicht. Vielleicht musste man die Zaubererakademie besucht haben oder ein Adliger sein, um über die verschiedenen Arten von Magie aufgeklärt zu werden. Etwas, was ihm als Gestaltwandler trotz seiner ihm innewohnenden Magie stets verwehrt bleiben würde.”

“Emanio und ich sollen was sein? Freunde? Er starrte seine jüngste Schwester einen langen Moment an, bevor er sich wieder fing. »Wie kommst du darauf, dass wir Freunde seien?« Es war absurd. Dabei mochte er den Herzogssohn nicht einmal! In Ordnung, vielleicht mochte er Emanio ein bisschen, seitdem er ihn kennengelernt hatte. Aber Freunde?”

“Sie lächelte, beinahe traurig, und der Anblick versetzte Lerio einen Stich. Es war seine Schuld, dass sich seine Schwester keine Hoffnungen auf eine Ehe erlaubte. Er wusste, was sie über ihn erzählten. Viele hielten sein zerstörtes Auge und die schrecklichen Narben in seinem Gesicht für eine Missbildung oder die Folgen einer Krankheit, also etwas Erbliches, das seine Schwestern und er an ihre Kinder weitergeben konnten. Dabei war es eine Verletzung gewesen, die sein Gesicht und all seine Aussichten auf Glück, auf Liebe und einen Partner zerstört hatte.”