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Deutschland Quotes

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Deutschland Quotes

“Und deswegen will Hermann Kesten vor allem das von ihrem Gespräch in Brüssel von ihr wissen: °Wie ist es in Deutschland heute? ...° Aber sie erzählt von einem Deutschland , in dem Kolonialwarenhändler und Feldwebelwitwen Nietsches Philosophie vollstreckten. Einem Deutschland mit unfrohen, rohen Gesängen und drohenden Rundfunkreden, mit der künstlichen Dauer-Ekstase von Aufmärschen, Parteitagen, Heil-Jubeln und Feiern. Einem Deutschland voll berauschter Spießbürger. Berauscht, weil sie es sein sollten - berauscht weil man ihnen Vernunftlosigkeit als Tugend pries, berauscht, weil sie gehorchen und Angst haben durften, und berauscht, weil sie Macht bekommen hatten.”

“Irgendwann fiel zum ersten Mal das scheinheilige Wort vom Totalitarismus, das einem nicht nur half, dem gefährlichen Begriff Faschismus, an dem man ja ausgiebig beteiligt gewesen war, aus dem Wege zu gehen, sondern auch jenes Gesellschaftssystem, das der Todfeind des Faschismus gewesen war, bei seinem Zusammenbruch die Hauptrolle gespielt und im Kampf die schwersten Opfer gebracht hatte, eben diesem Faschismus an die Seite zu rücken, ja, man hatte, wenn man es recht bedachte, bereits an der Spitze seiner SS-Panzergrenadiere die Hälfte des Totalitarismus bekämpft und durfte sich so mit Fug und Recht einen Freiheitskämpfer nennen.”

“Einen Staat Deutschland hat es ja überhaupt nie gegeben, und man mag doch sagen, was Großes die reine Staatsidee bei uns hervorgebracht hätte. Denn diese Idee ist uns ursprünglich fremd, und erst in den letzten Jahrhunderten durch die romanisirende Bil­dung eingeimpft worden, daher sie auch bis diesen Tag noch als ein exotisches Gewächs erscheint, soviel Mühe man sich auch geben mag, uns ein politisches Bewußtsein einzutrichtern. Wir haben keins, und werden's schwerlich je bekommen. Der Deutsche hat einen Standesgeist, einen Cor­porationsgeist, einen landsmannschaftlichen Geist, einen Nationalgeist, kurz er hat alles andere, nur keinen S t a a t s g e i s t . Wir unsererseits klagen darüber nicht.”

“Wären die Hitze und die architektonischen Entgleisungen Antoni Gaudís nicht gewesen, die daran erinnerten, dass man sich tatsächlich in Barcelona befand, man hätte meinen können, wir wären gar nicht verreist. Die Trams waren von derselben schnittigen Bauart wie zu Hause, in den Cafés saßen Freelancer mit ihren dickrandingen Brillen an Notebooks und Lesegeräten, die sich so geheimnisvoll und so magisch mit dem Zeigefinger auf dem Display bedienen lassen. Im Taxi vom Flughafen erspähten wir auf der Autobahn ein Schild eines Möbelgeschäfts, das uns sehr vertraut war. Die kleinen weißen Plastikkarten, die die Schlüssel in Hotel abgelöst haben, glichen vollkommen denjenigen in Wuppertal oder Frankfurt, selbst die Toilettenschlüssel und Armaturenbretter im Badezimmer waren vom selben Fabrikat wie in meiner Wohnung. Das womöglich allerletzte Disinktionsmerkmal des Südens gegenüber dem Norden, schien es mir, war die deutlich höhere Verbreitung des Bidets.”

“Nun riskierten wir, etwas aufs Maul zu bekommen von den zahlreichen Faschos in ihren Begrüßungsgeld-Bomberjacken und von besoffenen Helmut-Kohl-Fans mit den "Allianz für Deutschland"-Plastebeuteln. Viele von ihnen riefen im Sprechchor "Wie sind stolz, Deutsche zu sein". Wir fragten uns, worauf sie denn eigentlich stolz wären. Auf die Alpen oder den Thüringer Wald? Die hatten die Natur geschaffen. Auf Goethe oder Schiller? Ja haben die Schreihälse an deren Werken etwa mitgeschrieben? Daß sie in einem deutschen Land geboren wurden, war doch purer Zufall, dafür hatten sie doch überhaupt nichts getan. Eigentlich kann man doch nur auf etwas stolz sein, das man selber geschaffen hat. Ich zum Beispiel war auf meine Depeche-Mode-Postersammlung stolz, denn dafür hatte ich echt geschuftet. Auf unsere erste Parole-Emil-Kassette war ich auch mächtig stolz, denn die hatten wir ganz alleine gebastelt. Auf Deutschland wollte ich nicht stolz sein. Das war mir viel zu abstrakt.”