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Bernhard Schlink

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Homecoming

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Der Vorleser

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Flights of Love

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Olga

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Related Quotes

“Being ill when you are a child or growing up is such an enchanted interlude! The outside world, the world of free time in the yard or the garden or on the street, is only a distant murmmur in the sickroom. Inside, a whole world of characters and stories proliferate out of the books you read. The fever that weakens your perception as it sharpens your imagination turns the sickroom into something new, both familiar and strange; monsters come grinning out of the patterns on the curtains and the carpet, and chairs, tables, bookcases and wardrobes burst out of their normal shapes and become mountains and buildings and ships you can almost touch although they're far away. Through the long hours of the night you have the Church clock for company and the rumble of the occasional passing car that throws it's headlights across the walls and ceilings. These are hours without sleep, which is not to say they're sleepless, because on the contrary, they're not about lack of anything, they are rich and full. Desires, memories, fears, passions form labryinths in which we lose and find then lose ourselves again. They are hours where anything is possible, good or bad.”

“I was not disturbed by the fact that the memories made me nostalgic, because I could never bring back the events, or that they made me sad, because they reflected only the positive side of experiences that had their negative side as well. Such is always the case with happy memories. What disturbed me was that they made me more than nostalgic and sad: they made me tired. Deeply, dumbly, blackly tired. (141)”

“At first I wanted to write our story in order to be free of it. But the memories wouldn’t come back for that. Then I realized our story was slipping away from me and I wanted to recapture it by writing, but that didn’t coax up the memories either. For the last few years I’ve left our story alone. I’ve made peace with it. And it came back, detail by detail and in such a fully rounded fashion, with its own direction and its own sense of completion, that it no longer makes me sad. What a sad story, I thought for so long. Not that I now think it was happy. But I think it is true, and thus the question of whether it is sad or happy has no meaning whatever.”

“I likewise enjoyed the melancholy nature of the farewell party. I had a seat in history's waiting room: one train had just been shunted to an abandoned platform; the other was due in at any moment and would set off again after a brief halt. Not everyone who alighted from the first train would find a place in the second; many would remain in the waiting room, watching the snack bar close, the heating and lights go off. But as long as the old train was still out there and the new one still on its way, the snack bar was still open and everything was warm and brightly lit. (139-40)”

“I could never stop comparing the way it was with Gertrud and the way it had been with Hanna; again and again, Gertrud and I would hold each other, and I would feel that something was wrong, that she was wrong, that she moved wrong and felt wrong, smelled wrong and tasted wrong. I thought I would get over it. I hoped it would go away. I wanted to be free of Hanna. But I never got over the feeling that something was wrong.”

“Dann habe ich begonnen, sie zu verraten. Nicht daß ich Geheimnisse preisgegeben oder Hanna bloßgestellt hätte. Ich habe nichts offenbart, was ich hätte verschweigen müssen. Ich habe verschwiegen, was ich hätte offenbaren müssen. Ich habe mich nicht zu ihr bekannt. Ich weiß, das Verleugnen ist eine unscheinbare Variante des Verrats. Von außen ist nicht zu sehen, ob einer verleugnet oder nur Diskretion übt, Rücksicht nimmt, Peinlichkeiten und Ärgerlichkeiten meidet. Aber der, der sich nicht bekennt, weiß es genau. Und der Beziehung entzieht das Verleugnen ebenso den Boden wie die spektakulären Varianten des Verrats.”

“People ask all the time what I learned in the camps. But the camps weren’t therapy. What do you think these places were? Universities? We didn’t go there to learn. One becomes very clear about these things. What are you asking for? Forgiveness for her? Or do you just want to feel better yourself? My advice, go to the theatre, if you want catharsis, please. Go to literature. Don't go to the camps. Nothing comes out of the camps. Nothing.”

“Kako smo bespomoćni za besanih noći! Izručeni glupim mislima koje bi naša budna pamet odmah dokrajčila, beznadnosti protiv koje se danju borilo sitnim uspjesima s pranjem rublja, parkiranjem automobila ili tješenjem prijatelja, tuzi kojoj prkosimo iscrpljujući se tenisom, rekordima u trčanju ili dizanju utega. U besanim noćima uključujemo televizor ili se laćamo neke knjige, ne da bismo tako lakše zaspali, nego da bi nam se nad slikama ili stranicama samo sklopile oči mi opet postali žrtva glupih misli, beznađa i tuge.”

“Warum macht es mich so traurig, wenn ich an damals denke? [...] Ist es das Wissen, was danach kam und daß danach nur ans Licht kam, was schon da war? Warum? Warum wird uns, was schön war, im Rückblick dadurch brüchig, daß es häßliche Wahrheiten verbarg? [...] Weil Glück nur stimmt, wenn es ewig hält? Weil schmerzlich nur enden kann, was schmerzlich gewesen ist, unbewußt und unerkannt? [...] Ist es das, was mich traurig macht? Der Eifer und Glaube, der mich damals erfüllte und dem Leben ein Versprechen entnahm, das es nie und nimmer halten konnte? [...] Ist diese Traurigkeit die Traurigkeit schlechthin? Ist sie es, die uns befällt, wenn schöne Erinnerungen im Rückblick brüchig werden, weil das erinnerte Glück nicht nur aus der Situation, sondern aus einem Versprechen lebte, das nicht gehalten wurde? (SS.38-39)”

“We did not have a world that we shared; she gave me the space in her life that she wanted me to have. I had to be content with that. Wanting more, even wanting to know more, was presumption on my part. If we were particularly happy with each other and I asked her something because at that moment it felt as if everything was possible and allowed, then she sometimes ducked my questions, instead of refusing outright to answer them.”

“Nun ist Flucht nicht nur weglaufen, sondern auch ankommen. Und die Vergangenheit, in der ich als Rechtshistoriker ankam, war nicht weniger lebensvoll als die Gegenwart. Es ist auch nicht so, wie der Außenstehende vielleicht annehmen möchte, daß man die vergangene Lebensfülle nur beobachtet, während man an der gegenwärtigen teilnimmt. Geschichte treiben heißt Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und beide Ufer beobachten und an beiden tätig werden. Eines meiner Forschungsgebiete wurde das Recht im Dritten Reich, und hier ist besonders augenfällig, wie Vergangenheit und Gegenwart in eine Lebenswirklichkeit zusammenschießen. Flucht ist hier nicht die Beschäftigung mit der Vergangenheit, sondern gerade die entschlossene Konzentration auf Gegenwart und Zukunft, die blind ist für das Erbe der Vergangenheit, von dem wir geprägt sind und mit dem wir leben müssen. (S.172)”

“Wenn ich jedoch verletzt werde, kommen wieder die damals erfahrenen Verletzungen hoch, wenn ich mich schuldig fühle, die damaligen Schuldgefühle, und in heutiger Sehnsucht, heutigem Heimweh spüre ich Sehnsucht und Heimweh von damals. Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, daß uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig. Ich verstehe das. Trotzdem finde ich es manchmal schwer erträglich. Vielleicht habe ich unsere Geschichte doch geschrieben, weil ich sie loswerden will, auch wenn ich es nicht kann. (S.206)”

“»Ich habe… ich meine… Was hätten Sie denn gemacht?« Das war von Hanna als ernste Frage gemeint. Sie wußte nicht, was sie hätte anders machen sollen, anders machen können, und wollte daher vom Vorsitzenden, der alles zu wissen schien, hören, was er gemacht hätte. [...] »Es gibt Sachen, auf die man sich einfach nicht einlassen darf und von denen man sich, wenn es einen nicht Leib und Leben kostet, absetzen muß.« Vielleicht hätte es genügt, wenn er dasselbe gesagt, dabei aber über Hanna oder auch sich selbst geredet hätte. Davon zu reden, was man muß und was man nicht darf und was einen was kostet, wurde dem Ernst von Hannas Frage nicht gerecht. Sie hatte wissen wollen, was sie in ihrer Situation hätte machen sollen, nicht daß es Sachen gibt, die man nicht macht. (S.107)”

“Hij gaf me een college over individu, vrijheid en waardigheid, over de mens als subject en over het gegeven dat je hem niet tot object mag maken. ‘Herinner je je niet meer hoe verontwaardigd je als jongetje kon zijn wanneer mama beter wist dan jij wat goed voor je was? Hoever je daarbij met kinderen kunt gaan is al een werkelijk probleem. Het is een filosofisch probleem, maar de filosofie houdt zich niet met kinderen bezig. Dat heeft ze overgelaten aan de pedagogiek, waar het voor kinderen niet goed toeven is.”

“Dann habe ich begonnen, sie zu verraten. Nicht daß ich Geheimnisse preisgegeben oder Hanna bloßgestellt hätte. Ich habe nichts offenbart, was ich hätte verschweigen müssen. Ich habe verschwiegen, was ich hätte offenbaren müssen. Ich habe mich nicht zu ihr bekannt. Ich weiß, das Verleugnen ist eine unscheinbare Variante des Verrats. Von außen ist nicht zu sehen, ob einer verleugnet oder nur Diskretion übt, Rücksicht nimmt, Peinlichkeiten und Ärgerlichkeiten meidet. Aber der, der sich nicht bekennt, weiß es genau. Und der Beziehung entzieht das Verleugnen ebenso den Boden wie die spektakulären Varianten des Verrats. (S.72)”

“Aufarbeitung! Aufarbeitung der Vergangenheit! Wir Studenten des Seminars sahen uns als Avantgarde der Aufarbeitung. Wir rissen die Fenster auf, ließen die Luft herein, den Wind, der endlich den Staub aufwirbelte, den die Gesellschaft über die Furchtbarkeiten der Vergangenheit hatte sinken lassen. Wir sorgten dafür, daß man atmen und sehen konnte. Auch wir setzten nicht auf juristische Gelehrsamkeit. Daß verurteilt werden müsse, stand für uns fest. Ebenso fest stand für uns, daß es nur vordergründig um die Verurteilung dieses oder jenes KZ-Wächters und -Schergen ging. Die Generation, die sich der Wächter und Schergen bedient oder sie nicht gehindert oder sie nicht wenigstens ausgestoßen hatte, als sie sie nach 1945 hätte ausstoßen können, stand vor Gericht, und wir verurteilten sie in einem Verfahren der Aufarbeitung und Aufklärung zu Scham. (S.87)”

“Ich wollte Hannas Verbrechen zugleich verstehen und verurteilen. Aber es war dafür zu furchtbar. Wenn ich versuchte, es zu verstehen, hatte ich das Gefühl, es nicht mehr so zu verurteilen, wie es eigentlich verurteilt gehörte. Wenn ich es so verurteilte, wie es verurteilt gehörte, blieb kein Raum fürs Verstehen. Aber zugleich wollte ich Hanna verstehen; sie nicht zu verstehen, bedeutete, sie wieder zu verraten. Ich bin damit nicht fertiggeworden. Beidem wollte ich mich stellen: dem Verstehen und dem Verurteilen. Aber beides ging nicht.”

“Zugleich war ich traurig über sie, traurig über ihr verspätetes und verfehltes Leben, traurig über die Verspätungen und Verfehlungen des Lebens insgesamt. Ich dachte, wenn die rechte Zeit verpaßt ist, wenn einer etwas zu lange verweigert hat, wenn einem etwas zu lange verweigert wurde, kommt es zu spät, selbst wenn es schließlich mit Kraft angegangen und mit Freude empfangen wird. Oder gibt es »zu spät« nicht, gibt es nur »spät«, und ist »spät« allemal besser als »nie«? Ich weiß es nicht. (S.178)”

“Zugleich frage ich mich und habe mich schon damals zu fragen begonnen: Was sollte und soll meine Generation der Nachlebenden eigentlich mit den Informationen über die Furchtbarkeiten der Vernichtung der Juden anfangen? Wir sollen nicht meinen, begreifen zu können, was unbegreiflich ist, dürfen nicht vergleichen, was unvergleichlich ist, dürfen nicht nachfragen, weil der Nachfragende die Furchtbarkeiten, auch wenn er sie nicht in Frage stellt, doch zum Gegenstand der Kommunikation macht und nicht als etwas nimmt, vor dem er nur in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen kann. Sollen wir nur in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen? Zu welchem Ende? Nicht daß sich der Aufarbeitungs- und Aufklärungseifer, mit dem ich am Seminar teilgenommen hatte, in der Verhandlung einfach verloren hätte. Aber daß einige wenige verurteilt und bestraft und daß wir, die nachfolgende Generation, in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen würden – das sollte es sein? (SS.99-100)”

“Wenn ich heute an die Jahre damals denke, fällt mir auf, wie wenig Anschauung es eigentlich gab, wie wenig Bilder, die das Leben und Morden in den Lagern vergegenwärtigten. Wir kannten von Auschwitz das Tor mit seiner Inschrift, die mehrstöckigen Holzpritschen, die Haufen von Haar und Brillen und Koffern, von Birkenau den Eingangsbau mit Turm, Seitenflügeln und Durchfahrt für die Züge und aus Bergen-Belsen die Leichenberge, die die Alliierten bei der Befreiung vorgefunden und photographiert hatten. Wir kannten einige Berichte von Häftlingen, aber viele Berichte sind bald nach dem Krieg erschienen und dann erst wieder in den achtziger Jahren aufgelegt worden und gehörten dazwischen nicht in die Programme der Verlage. Heute sind so viele Bücher und Filme vorhanden, daß die Welt der Lager ein Teil der gemeinsamen vorgestellten Welt ist, die die gemeinsame wirkliche vervollständigt. Die Phantasie kennt sich in ihr aus, und seit der Fernsehserie »Holocaust« und Spielfilmen wie »Sophies Wahl« und besonders »Schindlers Liste« bewegt sie sich auch in ihr, nimmt nicht nur wahr, sondern ergänzt und schmückt aus. Damals hat die Phantasie sich kaum bewegt; sie hat gemeint, zu der Erschütterung, die der Welt der Lager geschuldet werde, passe die Bewegung der Phantasie nicht. Die paar Bilder, die sie alliierten Photographien und Häftlingsberichten verdankte, betrachtete sie wieder und wieder, bis sie zu Klischees erstarrten. (SS.142-143)”

“[Hanna] »Ich hatte immer das Gefühl, daß mich ohnehin keiner versteht, daß keiner weiß, wer ich bin und was mich hierzu und dazu gebracht hat. Und weißt du, wenn keiner dich versteht, dann kann auch keiner Rechenschaft von dir fordern. Auch das Gericht konnte nicht Rechenschaft von mir fordern. Aber die Toten können es. Sie verstehen. Dafür müssen sie gar nicht dabei gewesen sein, aber wenn sie es waren, verstehen sie besonders gut. Hier im Gefängnis waren sie viel bei mir. Sie kamen jede Nacht, ob ich sie haben wollte oder nicht. Vor dem Prozeß habe ich sie, wenn sie kommen wollten, noch verscheuchen können.« (S.187)”

“Ich meine nicht, daß Denken und Entscheiden keinen Einfluß auf das Handeln hätten. Aber das Handeln vollzieht nicht einfach, was davor gedacht und entschieden wurde. Es hat seine eigene Quelle und ist auf ebenso eigenständige Weise mein Handeln, wie mein Denken ist und mein Entscheiden mein Entscheiden.”