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Reinhold Messner

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Mountaineer

Über Leben

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“How often on an expedition have I told myself, "That's enough!" and then a few weeks later when the effort, worry, and hardship were forgotten, I began dreaming about a new journey, planning a new climb. Pretty soon I'd be off again. And once again, it would be dangerous. I never intended to risk my neck, but I knew that if I were ever to stop dreaming or traveling I would be old. And that would drive me to despair.”

“Tour operators and professional guides, more concerned with profit than with safety, have turned a spiritual quest into a cold-blooded accomplishment. To paraphrase Oscar Wilde's definition of a cynic, everyone knows the price of the highest peak in the world, and no one knows its value.”

“I came to realize that my path to knowledge would not lead me to libraries, professors, universities, and studies. My path to knowledge was through living life and experiencing reality. I could learn plenty secondhand, but nothing was ever to surpass the experiences I had in the wilderness. All my knowledge of social, scentific, and religious issues has been acquired through personal experience.”

“I believe that, in Europe at least, we have made the mistake - politically speaking - of taking too much responsibility away from people. Citizens who once took responsibility for themselves have become dependents, demanding more of everything - subsidies, incomes, pensions. When the responsibility is taken away from them, people's aspirations dwindle, until finally we reach a state of zero growth and begin to descend into social chaos, a state of limbo. Welfare democracy is a dead-end street. What I always wanted was maximum responsibility for my own life. I've always had high expectations of myself. Others call it ambition.”

“Perhaps the true purpose of life is simply to express ourselves as best we can. Maybe my ability to keep finding new challenges appropriate to my age is part of the happiness, the thing that keeps me young, creative, and full of life. The setbacks and the opposition I've encountered are all part of my happiness. I have grown as a result and am still able to lead a self-determined life.”

“Sinn wird uns vor allem mit einem gelingenden Leben bewusst. Weil wir dabei aus Erfahrungen wissen, was gut für uns ist. Es ist aber ebenso wenig erstrebenswert wie zielführend, immerzu sinnerfüllt und glücklich zu sein. So wichtig es ist, Sinn zu stiften, Glück geschieht, es ist die Folge von Sinnhaftigkeit. Sinn ist immer subjektiv, er entsteht aus unseren Beziehungen zu anderen Menschen, zu bestimmten Dingen, zu unserem Tun. Weil es an uns liegt zu gewichten. Dabei geht es nie um einen übergeordneten Sinn, der uns wie Traditionen weitergegeben wird. Er ist auch nicht in Konventionen festschreibbar, Institutionen wie die Kirchen möchten ihn zwar vorgeben, missachten dabei aber allzu oft die Natur des Menschen. Sinn macht Energie frei, die mit Lebensfreude einhergeht. Wenn wir das »Richtige« tun und intensiv bei unserer Sache sind, stellt sich weder die Frage nach dem Glück noch jene nach dem Sinn. Wir selbst sind dann der Sinn, nach dem Glück brauchen wir uns dabei nicht mehr umzusehen. Es stellt sich von selbst ein. Als Prozess: zum Beispiel, wenn der Stärkere dem Schwächeren hilft.”

“Ist der Berg also ein Rückzugsort, das traditionelle Bergsteigen wie ein Ritual, eine frühe Art der Religionsausübung? Nein, denn die Lehren der Kirchen und ihre Hierarchien dienen immer auch der Absicherung von Macht. Ihre Unfehlbarkeitsdogmen zwingen dazu, Widervernünftiges so lange zu deuten, bis ihre Inhalte stimmig zu sein scheinen: nichts für mich. Weil die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten aber so großartig sind, bleibe ich Possibilist und gehe weiterhin in die Berge statt in die Kirche. Jede Wichtigtuerei gegenüber der Natur kann dabei tödlich sein, weder Geld noch Macht spielen dort oben eine Rolle. Nur Können, Einsatz und Respekt der Natur gegenüber zählen.”

“Zwangsläufig wuchsen die Hochlandbewohner somit mehrsprachig auf. Sie hätten sich sonst von Stamm zu Stamm nicht verständigen können. Sie erschienen mir kognitiv fähiger als einsprachig kommunizierende Gruppen. Mehrsprachigkeit erleichtert das Leben und bereichert es zugleich. Einerseits weil bestimmte Emotionen in der einen Sprache oft besser auszudrücken sind als in einer anderen. Andererseits weil die Struktur jeder Sprache die Denkweise ihrer Sprecher prägt. Und damit auch die des Gegenüber beeinflusst. Vielsprachige Menschen denken die Welt vielgestaltig. Sie verstehen ihr Gegenüber oft auch sprachlos. Häufig reichen ihnen ihre Gebärden, um Empfindungen auszudrücken.”

“es ist Erfindungsgeist, der aus Mangel entsteht, der uns kreativ macht. Dieser hat uns Menschen weitergebracht, weil wir in der Not über uns hinauswachsen. In unserer Zivilisation aber kommen uns Stärke und Behändigkeit langsam abhanden. Der zivilisierte Mensch mit all seinen Maschinen ist dem Abenteurer im Alltag zwar weit überlegen, diejenigen aber, die ohne diese Mittel auskommen müssen, bleiben auch dann überlebensfähig, wenn alle technischen Hilfen versagen. Selbstvertrauen hat zuletzt mit Überlebensfähigkeit zu tun. Je mehr wir von Hilfen abhängig sind, umso weniger ist unser Selbstvertrauen wert.”

“Als sich von Westen ein Fächer von Zirruswolken näherte, der bald über uns zu kreisen schien, standen wir ganz plötzlich auf einem Wolkensammler. Gleichzeitig inmitten eines offenen Himmels. In solchen Momenten besteht keine Notwendigkeit, übernatürliche Wesen zu erfinden. Die Erkenntnis ist sichtbar, das Göttliche und die Welt werden eins. So hoch oben muss das Erhabene nicht erfunden werden: Ein Blick vom Gipfel in die Runde reicht, und alle Zweifel sind aufgehoben. Es ist wie eine Befreiung, das Eingebettetsein in der Welt fühlt sich an wie die Sicherheit in der Familie.”

“Mein Sein hat sich ein Leben lang weiterentwickelt. Schritt für Schritt taste ich mich, detailverliebt und horizontsüchtig, so weiter ins Ungewisse hinein. Es waren immer schon Träume, die mich getragen haben. Das Glück kam mit dem jeweiligen Weg, wenn er richtig war, hinzu. Erfolg hatte ich, weil ich die kühnsten Ideen zugelassen habe. Ich bin weder mutiger noch stärker als andere, auch nicht gescheiter. Meine Lungen haben ein bescheidenes Fassungsvermögen, mein Herz ist schon einmal operiert worden und mein Gehwerkzeug häufiger geflickt. Ich bin immer wieder aufgestanden, häufiger als andere. Auch wenn ich am Boden lag, habe ich nie zu träumen aufgehört. Ich habe meine Träume wahr gemacht, tausendundeine Idee umgesetzt. Meine Kunst zu leben – den Kopf in den Wolken, die Füße fest auf der Erde, den Tod im Blick – steckt in der Identifikation mit meinen Zielen. Weder mit meinen handwerklichen Fähigkeiten noch mit der Stimme oder der Sprache fähig, Kunstwerke zu schaffen, habe ich mich in der Kunst des Überlebens geübt. Wo immer ich dabei hinging, am Ende ging es nur noch zu Fuß weiter. Wie zu all meinen Museen auch.”

“Not only during the ascent, but also during the descent my willpower is dulled. The longer I climb the less important the goal seems to me, the more indifferent I become to myself. My attention has diminished, my memory is weakened. My mental fatigue is now greater than the bodily. It is so pleasant to sit doing nothing - and therefore so dangerous. Death through exhaustion is like death through freezing - a pleasant one.”

“When I rest I feel utterly lifeless except that my throat burns when I draw breath... I can scarcely go on. No despair, no happiness, no anxiety. I have not lost the mastery of my feelings, there are actually no more feelings. I consist only of will. After each few metres this too fizzles out in unending tiredness. Then I think nothing. I let myself fall, just lie there. For an indefinite time I remain completely irresolute. Then I make a few steps again.”