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I Quotes

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“Ich habe [...] deutlich gemacht, dass der menschliche Wille kein anderes Ziel hat, als das Bewusstsein wach zu erhalten. Aber das geht nicht ohne Disziplin. Von allen Schulen der Geduld und der Klarheit ist das Schaffen die wirksamste. Es ist zudem das erschütternde Zeugnis für die einzige würde des Menschen: die unnachgiebige Auflehnung gegen seine conditio, die Ausdauer in einer für unfruchtbar erachteten Anstrengung. Es erfordert tägliches Sichmühen, Selbstbeherrschung, die genaue Abschätzung der Grenzen des Wahren, Maß und Kraft. Es begründet eine Askese. Und das alles "für nichts", nur um zu wiederholen und um auf der Stelle zu treten. Aber vielleicht hat das große Kunstwerk weniger Bedeutung an sich als durch die Bewährung, die es von einem Menschen verlangt, und die Gelegenheit, die es ihm bietet zur Überwindung seiner Gespenster und zur weiteren Annäherung an seine nackte Wirklichkeit.”

“Ich habe immer gedacht, dass ich die seltsamste Person auf dieser Welt bin, aber später dachte ich, dass es viele solcher Leute auf der Welt gibt, es muss also jemanden wie mich geben, der sich auf gleiche Weise bizarr und beschädigt fühlt, so wie ich mich fühle. Ich stelle mir die Frau vor, und stelle mir vor, dass sie dort drüben auch an mich denkt. Also gut, ich hoffe, wenn du dort bist und dies liest, dass du weißt, dass es wahr ist, dass ich da bin und genauso seltsam bin wie du.”

“Ich habe Leute sagen hören, dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann, seine Freunde schon. Aber in Wirklichkeit kann man beides wählen. Man kann sein Blut nicht verändern. Mit wem du durch deine Geburt verwandt bist, entzieht sich deiner Kontrolle. Aber wer deine Familie ist? Diese Wahl bekommst du. Du kannst die Menschen auswählen, die du in dein Leben lässt und die du in deinem Leben behältst. Wen du liebst und um wen du dich kümmerst, liegt bei dir, nicht bei jemand anderem.”

“Ich habe meinem Sohn ein Erinnerungs-Schatz-Glas geschenkt, so nenne ich es, denn er ist noch zu klein für solche Worte. Darin liegen bisher eine getrocknete Zitrone, eine Muschel und ein Stein. Dinge, die er selbst gefunden hat und bestaunt. Ich habe sie aufgehoben. Oz soll den Wert von Erinnerungen lernen, das ist mir wichtig. Dass uns Menschen und Orte manchmal verloren gehen, aber mit den Erinnerungen tragen wir ihre Geschichten in uns. Für den Fall, dass wir irgendwann nicht mehr hier leben werden. Der Gedanke kam mir in diesem Jahr so oft. Ich habe meine Heimat hinter mir gelassen, Deutschland. Ich entschied, in Israel zu leben. Aber die Erinnerungen an meine Kindheit, mein Aufwachsen, mein erwachsenes Leben in Deutschland – sei es durch meinen alten Teddybären, den Bettbezug mit dem Tröpfchenmuster, meine orangefarbene Lieblingstasse – kann mir niemand nehmen. Es ist wichtig, sich zu erinnern. Viele Erinnerungen formen ein Leben. Wer sind wir ohne sie? Mein Schwiegervater erzählt stolz, er lösche Erinnerungen, die er nicht mehr brauche. Er mag das Gefühl, im Jetzt zu stehen, es sei das Einzige, was zähle. Er löscht sie aber nicht wirklich. Er verdrängt sie, bis er sie irgendwann vergisst. Was er wohl erlebt hat, das er am liebsten löschen will? «Alles nicht wichtig», sagt er. Aber wenn alles nicht wichtig ist – wozu war es dann überhaupt?”

“Ich habe viel Zeit in den Kellergewölben verbracht, nicht aus Überdruß an der Sonne oder plein air, ich verlor nur die Kontrolle über die Stunden und über das Leben, wenn ich mich so ausdrücken darf; ich verzichtete auf jene starren Definitionen des täglichen Lebens, die es erlauben, der natürlichen Wärme zu folgen oder einfach von der Sonne und den Elementen abzuhängen; ich lag oder ich stand aufrecht, oder ich lehnte nur an einer Wand in diesen feuchten Zimmern, den Schlafsälen meiner Ware, die emsig hin und her ging, die Blicke nach oben, zu den Gittern gerichtet. Zwischen Spaten, Trophäen und Splittern im Marmorabfall stehen die tönernen Gäste, die Schlingen knüpfen aus Schlaf, als wären es Mechelner Spitzen, sie segeln über die Wände, springen wir Kautschuk auf die Stufen aus Staub, steigen nach oben, zum Licht, sie steigen umsonst, gelangen zu nichts, nicht einmal zur Seligkeit oder zur Erschöpfung der Verzweiflung. Und wie in den Märchen kehrte ich nach oben zurück, schwer an Jahren.”

“Ich habe zu viel vom Leben erwartet, ich dachte, es wäre mir Glück und Heiterkeit schuldig. In Wirklichkeit bietet das Leben weder das Gute noch das Böse. Das Glück ist eine Frucht, die man in einer Seele anbaut und erntet. Man kann sie nicht von außen erlangen. Warum sollte ich verdrossen sein wie ein Kind, das kein Geschenk bekommen hat? Ich habe Jahre vor mir, um glücklich zu sein!”

“Ich halte nichts von dem Satz, Islam und Islamismus hätten nichts miteinander zu tun. Ich halte auch nichts von apologetischen Sätzen, wie wir sie nach den Anschlägen von Paris wieder gehört haben, diese Anschläge hätten mit dem Islam nichts zu tun. Denn die Extremisten berufen sich schließlich auf kein anderes Buch als auf den Koran. Es gibt innerhalb der islamischen Theologie eine Bandbreite an Positionen – von friedlichen, menschenfreundlichen bis hin zu menschenverachtenden, gewalttätigen Haltungen. Die eigentliche Frage ist, warum sich einige Menschen auf die humanen Aspekte der 1400-jährigen Ideen-Geschichte des Islam beziehen und andere auf die grausamen. Die andere Frage ist, wie wir die offenen, menschenfreundlichen Positionen stärken können. Es ist ein Verdrängungsmechanismus, zu behaupten, die Gewalt, die wir erleben, habe nichts mit dem Islam zu tun. Es ist das Ausweichen vor einer kritischen Auseinandersetzung mit den Teilen der islamischen Tradition, die längst überholt sind. Die islamische Theologie muss sich dieser Auseinandersetzung stellen.”

“Ich hatte mich immer darauf gefreut, alt zu werden, und das auch überall lauthals verkündet. Seit den Heldenanfängen hatte ich eine seltsame Sehnsucht nach dem Jenseits-Davon gehabt, mich auf Partys zielsicher neben Leute aus meiner Elterngeneration gesetzt und mein Alter auf Anfrage eher hoch- als runtergerechnet. Womit ich nicht gerechnet hatte, war das Dazwischen, die uneindeutige, demütigend lange Zeit zwischen Fräuleinwunder und Lebenswerk. Denn das ist es, wofür der Pop keine Toleranz hat. Für Frauen, die ein kleines bisschen alt sind und nicht mehr ganz jung. So wie der Pop auch Frauen wie Beth Ditto und Lizzo feiert, als dickes Feigenblatt einer anorektischen Kultur, durchschnittliche mitteldünne Frauen mit runden Schultern und Hüften aber nicht mal mit der Zange angefasst.”

“Ich hoffte inständig, daß es sich bei Modern Talking um eine Eintagsfliege handeln würde. In Anbetracht der schlechten Songs gab es da durchaus Hoffnung. Aber auch die nächsten Singles dieser beiden Typen stürmten die Charts, und ich verstand die Welt nicht mehr. Warum kauften im Westen so viele Leute die Musik von Thomas und Dieter? Die hatten doch eine riesige Auswahl an superguten Platten in den Geschäften. Warum immer wieder Modern Talking? Der Albtraum ging weiter. Selbst im DDR-Radio lief einige Zeit später "Cherry, Cherry Lady". Die Mauer, die uns vor den schädlichen Einflüssen des Westens beschützen sollte, hatte schon damals total versagt.”

“Ich hört' in meiner Bücherei des Nachts Den Bücherwurm den Schmetterling befragen: "Ich habe mein Nest in Ibn Sinas Blättern, Bin in Farabis Manuskript beschlagen - Den Sinn des Lebens hab' ich nicht verstanden, Ganz sonnenlos leb' ich in finstern Tagen!" Wie schön sprach darauf der halbverbrannte Falter: "Nach diesem Punkt darfst du nicht Bücher fragen: Nur Fieberglut kann neues Leben bringen, Nur Fieberflut gibt deinem Leben Schwingen!”

“Ich kann’s nicht fassen, dass du das wirklich durchziehst." "Ist ja keine große Sache. Machen viele Leute ständig." Das Abhauen, meine ich. "Na ja, für die ist es vielleicht keine so große Sache. Aber für Leute wie uns ist es halt immer was Krasses." "Was für Leute sind wir denn?" "Die mit den kaputten Wurzeln." "Entwurzelung meinst du?" "Ist das das richtige Wort? Egal. So oder so, krasse Sache.”

“Ich kenne das schon bei mir, aber auf Reisen wird es mir um so deutlicher bewusst, weil man ja im allgemeinen davon ausgeht, dass Reisen nicht zuletzt unternommen werden, um sich andere Landschaften und Städte anzusehen: Bei mir funktioniert dieses Sehen sehr schlecht. Panoramen, Wüsten, Hügellandschaften, malerische kleine Dörfer und Plätze, Meere, Flüsse und Seen, ich bewahre immer nur bruchstückhafte Erinnerungen an ihre Schönheit im Gedächtnis. An was ich mich erinnere, das sind Gedanken, Gespräche, Stimmungen, und die sind allesamt mit demjenigen verknüpft, mit dem ich die Reise gemacht habe, mit der Person, die neben mir herging, die mit mir gegessen und geschlafen und immer mehr gesehen hat als ich, die sich gewissermaßen für mich die Landschaft angesehen hat.”

“Ich konnte es begreifen, daß ein Chemiker in einem Gemälde von Michelangelo nur den Grund von Mauerkalk und die darauf gestrichene Ölfarbe, in einem Karton von Kaulbach nur Papier und Kreide sah; ich nahm es dem Mathematiker nicht übel, wenn er die Kuppel des römischen Pantheon nur als geometrische Figur betrachtete; ich verstand es, wenn der Physiker bei einer Symphonie von Beethoven an die Zahl der Schwingungen dachte, welche die verschiedenen Töne bemaß und bestimmte, oder wenn er das schöne Farbenspiel der Blumen ausschließlich nach den verschiedenen Strahlenbrechungen des Sonnenlichtes beurteilte. Ich hatte an sich gegen solche wissenschaftliche Betrachtung nichts als das einzuwenden, daß sie die Hauptsache nicht erkläre, daß sie nur untergeordnete Beziehungen aufdecke.”