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I Quotes

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“ich könnte es wie Ibrahim machen und die absurdesten Lügen über mich erzählen. Ich könnte sagen: »Eigentlich bin ich 40, aber ich habe mein Gesicht von einem plastischen Chirurgen verjüngen lassen. Ich arbeite nämlich für die pakistanische Regierung als Geheimagent und suche in Wien nach dem Stützpunkt der Illuminati.« Oder ich könnte mir ein Beispiel an Maya nehmen und mich mit den Leuten sozialisieren, ihnen Fragen stellen– ich könnte versuchen, mehr als nur ein lächelndes Gesicht in der Menge zu sein. Aber ich bin nicht Ibrahim. Und ich bin auch nicht Maya. Also nicke ich nur und halte still wie der Statist, der ich in Wirklichkeit nun mal bin.”

“Ich küsse andere Lippen und sehne mich doch nur nach deinen. Und ich versuche mein Verlangen zu vergessen, in den Armen anderer, unbekannter, namenloser, auch wenn ich es nicht kann. Und ich weiß, dass das scheiße ist, aber ich kann's einfach nicht lassen. Und deswegen versuche ich erneut und erneut, dich zu vergessen, auch wenn ich es nicht kann. Auch wenn ich es nie kann.”

“Ich lachte; sie sagten: schämst du dich nicht? Ich weinte; sie sagten: Lächelst du denn etwa nicht? Ich lächelte; sie sagten: damit betreibt er Augendienerei. Ich runzelte die Stirn; sie sagten: Jetzt kommt raus, was er verborgen hat. Ich schwieg; sie sagten: welch eine schwere Zunge er hat. Ich sprach; sie sagten: wie viel er denn spricht. Ich war sanftmütig; sie sagten: Welch eine feige Handlung, wenn er könnte, würde er sich rechen. Ich blickte streng; sie sagten: Es ist nichts weiter als Unüberlegtheit. Er traut sich nicht, gerecht zu handeln. Sie sagen: Regelwidrigkeit, wenn ich nein sage, Und Mitläufer, wenn ich ihnen übereinstimme. Ich stellte sicher fest: Egal wie sehr ich die Zufriedenheit der Menschen möchte, man wird mich immer tadeln.”

“Ich las die Übersetzung des Piaveschen Librettos zu Ernani, herausgegeben in Zürich 1952, und im Vorwort steht in atemberaubender Dummheit, man habe die krassesten Unglaubwürdigkeiten ausgemerzt, wo doch gerade das Unfaßbare das Schöne an der Geschichte ist, oder besser: an der Gattung Oper an sich, weil gerade was von keiner auch noch so exotischen Wahrscheinlichkeitsrechnung mehr erfaßbar ist, in der Oper zu einer machtvollen Verwandlung der ganzen Welt in Musik als das Natürliche erscheint. Auch die großen Gefühle der Oper, die oft als übersteigert abgetan werden, kommen mir eher in die Gegenrichtung aufs äußerste reduziert vor, auf das Archetypische der Gefühle verdichtet, nicht mehr weiter in ihrer Essenz konzentrierbar. Es sind Axiome von Gefühlen. Das ist es, was Oper und Dschungel verbindet.”

“Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden? Was ist der Affe für en Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe.”

“Ich liebe das Leben", gestand der Alte und wurde fast verlegen. "Ich liebe das Leben erst recht, seit ich arm bin. Manchmal könnte ich vor Freude in den Sonnenschein hineinbeißen oder in die Luft, die in den Parks weht. Wissen Sie, woran das liegt? Ich denke oft an den Tod, und wer tut das heute? Niemand denkt an den Tod. Jeder lässt sich von ihm überraschen wie von einem Eisenbahnzusammenstoß oder einer anderen unvorhergesehenen Katastrophe. So dumm sind die Menschen geworden. Ich denke täglich an ihn, denn täglich kann er winken. Und weil ich an ihn denke, liebe ich das Leben.”

“Ich liebe dein Schweigen, es ist wie meines. Du bist das einzige Wesen, in dessen Gegenwart ich mich wegen meines eigenen Schweigens nicht beunruhigt fühle. Du besitzt ein ungestümes Schweigen, man fühlt, dass es von Inhalten erfüllt ist. Es ist seltsam lebendiges Schweigen, wie der geöffnete Deckel eines Brunnens, aus dem man das geheimnisvolle Murmeln der Erde vernehmen kann.”

“Ich lüge auch. Aber ich weiß es. Ich weiß, dass das System falsch ist. Bei uns in der Wirtschaft sieht das ein Blinder. Aber ich diene dem falschen System mit Hingabe. Denn im Rahmen des falschen Systems, dem ich mein bescheidenes Talent zur Verfügung stelle, sind die falschen Maßnahmen naturgemäß richtig und die richtigen sind begreiflicherweise falsch.”

“Ich meine nicht, daß Denken und Entscheiden keinen Einfluß auf das Handeln hätten. Aber das Handeln vollzieht nicht einfach, was davor gedacht und entschieden wurde. Es hat seine eigene Quelle und ist auf ebenso eigenständige Weise mein Handeln, wie mein Denken ist und mein Entscheiden mein Entscheiden.”

“Ich merke, dass meine Gedanken abgeschweift sind, als ich nach einer Weile die Präsenz eines anderen Unsterblichen spüre, der in einiger Entfernung durch die Gegend schlendert. Hochgeschreckt starre ich erst auf die Uhr, fluche, weil es mittlerweile schon nach elf ist, und drehe mich dann um. Es ist das Schleimmonster. Natürlich gibt es keine Sprichwörter über Schleimmonster! Idioten!”

“Ich musste gerade an Miss Milliment denken, die oft von einem Spruch aus ihrer Kindheit erzählt hat. 'Sei gut, liebes Mädchen, Klugheit lass die andren lernen.' Das hat sie immer richtig wütend gemacht. Sie hat gesagt, schon mit zehn wollte ihr nicht einleuchten, warum Gutsein ein Ersatz für Klugheit sein sollte. Aber es könnte ein Ersatz fürs Glücklichsein sein, oder?”

“Ich möchte wissen", sagte er vor sich hin, "was eigentlich in einem Buch los ist, solang es zu ist. Natürlich sind nur Buchstaben drin, die auf Papier gedruckt sind, aber trotzdem - irgendwas muss doch los sein, denn wenn ich es aufschlage, dann ist da auf einmal eine ganze Geschichte. Da sind Personen, die ich noch nicht kenne und es gibt alle möglichen Abenteuer und Taten und Kämpfe - und manchmal ereignen sich Meeresstürme, oder man kommt in fremde Länder und Städte. Das ist doch alles irgendwie drin im Buch. Man muss es lesen, damit man's erlebt, das ist klar. Aber drin ist es schon vorher. Ich möcht wissen, wie?”

“Ich saß auf den Felsen und dachte an die Geschichten von Nymphen, die so lange weinten, bis sie zu Felsgestein wurden oder zu Kranichen, zu dümmlichen Kühen und zu dürren Bäumen, ihre Gedanken bis in alle Ewigkeit eingesperrt unter der Rinde. Doch wie es schien, gelang mir noch nicht einmal das. Ich war mein Leben eingesperrt, umschlossen von granitenen Wänden, die immer näher rückten.”

“Ich schaue hinauf in den Nachthimmel, wo Sterne um Sichtbarkeit gegen die städtischen Lichter kämpfen. Der Eiffelturm gleich um die Ecke, konkurriert jetzt mit den Sternen, die einst unsere Suche nach Licht in der Nacht inspirierten. Wir haben nie gegen den Tag gekämpft, stattdessen kämpfen wir gegen die Nacht! Dies ist nicht die Stadt der Liebe, es ist die Stadt des Lichts! Ah, und das Schimmern, das endlose Schimmern überall!”