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W Quotes

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“Wenn ich heute an die Jahre damals denke, fällt mir auf, wie wenig Anschauung es eigentlich gab, wie wenig Bilder, die das Leben und Morden in den Lagern vergegenwärtigten. Wir kannten von Auschwitz das Tor mit seiner Inschrift, die mehrstöckigen Holzpritschen, die Haufen von Haar und Brillen und Koffern, von Birkenau den Eingangsbau mit Turm, Seitenflügeln und Durchfahrt für die Züge und aus Bergen-Belsen die Leichenberge, die die Alliierten bei der Befreiung vorgefunden und photographiert hatten. Wir kannten einige Berichte von Häftlingen, aber viele Berichte sind bald nach dem Krieg erschienen und dann erst wieder in den achtziger Jahren aufgelegt worden und gehörten dazwischen nicht in die Programme der Verlage. Heute sind so viele Bücher und Filme vorhanden, daß die Welt der Lager ein Teil der gemeinsamen vorgestellten Welt ist, die die gemeinsame wirkliche vervollständigt. Die Phantasie kennt sich in ihr aus, und seit der Fernsehserie »Holocaust« und Spielfilmen wie »Sophies Wahl« und besonders »Schindlers Liste« bewegt sie sich auch in ihr, nimmt nicht nur wahr, sondern ergänzt und schmückt aus. Damals hat die Phantasie sich kaum bewegt; sie hat gemeint, zu der Erschütterung, die der Welt der Lager geschuldet werde, passe die Bewegung der Phantasie nicht. Die paar Bilder, die sie alliierten Photographien und Häftlingsberichten verdankte, betrachtete sie wieder und wieder, bis sie zu Klischees erstarrten. (SS.142-143)”

“Wenn ich jedoch verletzt werde, kommen wieder die damals erfahrenen Verletzungen hoch, wenn ich mich schuldig fühle, die damaligen Schuldgefühle, und in heutiger Sehnsucht, heutigem Heimweh spüre ich Sehnsucht und Heimweh von damals. Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, daß uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig. Ich verstehe das. Trotzdem finde ich es manchmal schwer erträglich. Vielleicht habe ich unsere Geschichte doch geschrieben, weil ich sie loswerden will, auch wenn ich es nicht kann. (S.206)”

“Wenn ich könnte, würde ich den Leuten gern schon bei unserem ersten Zusammentreffen erklären, wie es um mich steht. Dass ich die meiste Zeit über keine Ahnung habe, was ich mache oder machen sollte. Ich weiß nicht, was von mir erwartet wird, welche Wörter ich zusammensetzen muss, damit sie Sinn ergeben. Und genauso wenig weiß ich, wie man andere Menschen liest – es ist, als ob alle bei ihrer Geburt eine Gebrauchsanweisung für soziale Interaktionen installiert bekommen haben, nur mich hat man übersprungen. Und jedes Mal, wenn ich versuche, mich mit anderen zu verständigen, sind da tausend Fragen in meinem Kopf: Soll ich weiter lächeln? Den Blickkontakt aufrechterhalten, etwas sagen, nichts sagen – und wohin mit meinen Händen, meinen Füßen, mit meinem Körper? Wohin mit mir?”

“Wenn ich mir so ansehe, wie du dich laufend veränderst, muss ich immer wieder feststellen, wie sehr der Mensch einem Gefäß ähnelt, wirklich. Ein Gefäß, dessen Inhalt jederzeit veränderlich, austauschbar ist. So ist auch der Mensch in der Lage, ein anderer zu werden. Das Prinzip ist gleich: Du gehst deinen Weg, und die Fügungen des Schicksals sorgen zwar dafür, dass du immer wieder Neues hineintust, aber ganz unten , auf dem Boden unter diesem sich ständig wandelnden Inhalt, bleibt das Gefäß letztlich doch dasselbe, da lieft die "Sakumi", die du immer bleiben wirst, das, was man vielleicht "Seele" nennen könnte, und nur das allein ändern sich erstaunlicherweise nicht, es bleibt immer da , nimm alles auf, versucht sich zu freuen. Wenn ich daran denke, dass das immer dasein wird, bis du stirbst, bin ich so gerührt, irgendwie so schmerzlich berührt, dass ich nicht mehr ein noch aus weiß!”

“Wenn jemand eine Weide schöner findet als eine Buche, ein Schwein hässlicher als eine Kuh, einen Geier bösartiger als ein Eichhörnchen, dann hat das mit uns Menschen zu tun, mit der Geschichte des Blicks, mit den Büchern, Gemälden, Filmen, mit den Worten und den Bildern, mit den Behauptungen, die der Mensch über die Natur aufgestellt hat, und damit, wie er die Natur abgebildet hat, früher und heute.”

“Wenn jemand sich in Inkarnation befindet, bietet ihm dieser Körper das Problem, das er erlernen muss oder (wenn die Evolution fortgeschritten ist) bietet den Träger, der sich für die Art der jeweiligen Aufgabe am besten eignet. Ein orientalischer Körpertyp hat eine gewisse Anzahl von Fähigkeiten, und ein abendländischer Körpertyp weist andere und, wenn ich so sagen darf, ebenso gute Eignungen auf.”

“Wenn jemand wirklich wissen möchte, warum er hier ist, muss er die Antwort selbst herausfinden." [...] "Und die Menschen tun das auf unterschiedliche Weise. Manche meditieren darüber, andere hören ihre Lieblingsmusik und beobachten, wohin Sie ihre Gedanken sie führen. Viele Menschen verbringen Zeit in der Natur, und andere wiederum unterhalten sich mit Freunden oder Fremden über dieses Thema. Manche Menschen finden die Antwort auch durch Ideen und Geschichten, die sie in Büchern lesen.”

“Wenn man einen Mann hat, der einen so gut wie nie berührt. Wenn man einen Mann hat, der einen zu oft berührt, der einen an der Hand packt und sie auf die ausgebeulte Hose legt, während man gerade etwas über Elektrozäune für Golden Retriever liest. Wenn man einen Mann hat, der lieber zockt, als dass er einen am Arm berührt. Wenn man einen Mann hat, der einem das Brötchen vom Teller klaut, wenn man es einen Moment zu lang hat liegen lassen, aber noch nicht fertig war. Wenn man gar keinen Mann hat. Wenn einem der Mann gestorben ist. Wenn einem die Frau gestorben ist. Wenn die Frau den Penis ihres Mannes ansieht wie ein Stück übrig gebliebenen Hackbraten, das sie nicht essen, aber auch nicht wegschmeißen will. Wenn die eigene Frau spät in der Schwangerschaft eine Fehlgeburt hatte und nicht mehr derselbe Mensch ist und sich von einem ab- und in E-Mails einem anderen zuwendet.”

“Wenn meine Eltern diese Geschichten von ihrer Erfahrung als Ausländer hier in Österreich mit uns teilen, spüre ich den gleichen Frust, den ich in Arwas Augen jetzt sehe. Es bricht nur immer Stück für Stück und in unerwarteten Momenten aus ihnen heraus, weil sie sonst immer darauf bedacht sind, ihren Kindern diese Erfahrungen zu ersparen. Aber wenn ich diese Bruchstücke mal zu hören bekomme, fühle ich mich einfach hilflos, weil ich nicht weiß, was ich tun könnte, um es leichter für sie zu machen.”

“Wenn mich heute jemand fragt, ab wann ich mich als Feministin bezeichnet habe, kann ich das nicht genau sagen, aber irgendwann bekam ich den Verdacht, dass die Gleichberechtigung sich doch nicht von allein ergibt, wenn alle so weitermachen wie bisher, mich eingeschlossen. Dass es nicht reicht, individuelle Freiheiten trotz Ungerechtigkeit zu erlangen, sondern dass die Gründe für die Ungerechtigkeit wegmüssen.”

“Wenn Sie eine andere Sprache neben der deutschen sprechen, dann fallen Ihnen mit Sicherheit zahlreiche Begriffe ein, die Phänomene, Situationen oder Gefühle beschreiben, für die es im Deutschen keine exakte Übersetzung gibt. So beschreibt das japanische Wort "komorebi" das Sonnenlicht, das durch die Blätter von Bäumen schimmert. "Gurfa", ein arabisches Wort, steht für die Menge an Wasser, die sich in einer Hand schöpfen lässt. Das griechische Wort "meraki" beschreibt die hingebungsvolle Leidenschaft, Liebe und Energie, mit der sich jemand einer Tätigkeit widmet. Und kennen Sie diese Situation: Sie sind unterwegs in einer fremden Stadt, jemand gibt Ihnen eine Wegbeschreibung, Sie hören aufmerksam zu, und kaum dass Sie loslaufen, haben Sie die Beschreibung wieder vergessen? Es gibt im Hawaiianischen ein Wort dafür: "akihi".”

“Wenn wir einsehen, dass das Urteilen nicht über dem Gegensatz von 'ist' und 'ist nicht' stehen kann, ziehen wir also nicht die Schlussfolgerung, dass das Urteilen zwei entgegengesetzte Formen hat, 'ist' und 'ist nicht'. Vielmehr folgern wir, dass es Ablehnung, Verneinung, Nein-Sagen ist. Das Urteilen ist nicht die unendliche Kraft, das Sein zu erfassen, sondern die universale Kraft zu Verneinen, auszulöschen, zu zermalmen. Die Kraft des Urteilens zur Negation ist universal, weil seine Idee von sich selbst als verneinen a priori ist, das heißt rein. Das Urteilen versteht sich selbst als Verneinen, indem es sich selbst in seiner absoluten Abstraktion erfasst. Da dieses Selbstverständnis von nichts Gegebenem abhängt, ist es absolut. Darum ist das Wort, das den Begriff des Gegenstands des Urteils ausdrückt, wie er im Selbstbewusstsein des Urteilens verstanden wird, »Nichts«. Während »nicht« der Spezifizierung dessen, was negiert werden soll, bedarf, gibt »Nichts« die Universalität des Verneinens wieder, als das sich das Urteilen selbst versteht.”